Kloster St. Klara in Senden übernimmt Fürbitten aus Internetportal

Das Gebet prägt den Tagesablauf und die Gemeinschaft der Klarissen im Kloster St. Klara in Senden. Bild: Kloster St. Klara Senden

„Es gibt nichts am Menschen, das Gott nicht interessiert“
Kloster St. Klara in Senden übernimmt Fürbitten aus Internetportal

Sie landen auf handgeschriebenen Zetteln im Briefkasten, werden telefonisch übermittelt oder in Kirchen der Umgebung gesammelt: Dass ihnen Anliegen von Menschen anvertraut werden mit der Bitte, diese in ihre Gebete aufzunehmen, das ist für die Schwestern des Klosters St. Klara in Senden nichts Neues. Im August werden einige zusätzliche Fürbitten hinzukommen: Die Schwestern beten den ganzen Monat über für die Anliegen, die im Internetseelsorge-Portal www.haus-der-seelsorge.de eingetragen werden.

14 Schwestern leben in dem Konvent, außerdem weitere drei aus dem 1976 gegründeten Tochterkloster in Indonesien. Äbtissin Schwester Fidelis Denter ist mit 54 Jahren die jüngste der deutschen Schwestern, die älteste ist 88. 1952 wurde das Kloster in Senden gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Klarissen aus Böhmen vertrieben worden und hatten unter anderem in Senden eine neue Heimat gefunden. 1953 begannen die Schwestern mit dem Bau des heutigen Klosters, das in mehreren Bauabschnitten fertiggestellt wurde.

„Die Klarissen sind ein kontemplativer Orden, Hauptaufgabe ist das Gebet“, beschreibt Schwester Fidelis. Damit unterscheiden sich die kontemplativen von tätigen Orden, deren Angehörige zum Beispiel im sozialen Bereich arbeiten.
Entsprechend gibt das Stundengebet der katholischen Kirche den Tagesablauf im Kloster St. Klara vor. Und der beginnt früh: Nach der Laudes (Morgenlob) mit Meditation um 5.30 Uhr folgen Heilige Messe und das Gebet der Terz. Im Anschluss an das Frühstück beginnen die Schwestern um 8.20 Uhr mit ihren Arbeiten in Haus und Garten, bis sie um 11.40 Uhr die Mittagshore und den „Engel des Herrn“ beten. Nach dem Mittagessen haben alle eine Freistunde. Darauf ist Arbeitszeit bis zur Lesehore, eine Gebetszeit mit längeren Lesungen um 16.30 Uhr. Daran schließt um 17 Uhr  die Vesper (Abendgebet) mit Meditation an. Nach dem nochmaligen Beten des „Engel des Herrn“, dem Gebet für die Verstorbenen und dem Abendessen beschließt ab 19.30 Uhr die Komplet (Nachtgebet) den Tag. Danach beginnt das „große Stillschweigen“, das nach der Terz am nächsten Morgen endet.

Ein außergewöhnlicher Lebensentwurf – den heute wie in allen christlichen Ordensgemeinschaften in Deutschland kaum noch Menschen wählen. „Damit müssen wir als Gemeinschaft umgehen“, findet Schwester Fidelis, „indem wir versuchen, auch in dieser Entwicklung Gottes Weg mit uns zu erkennen.“ Es sei ja ein gesellschaftliches Phänomen, dass der Glauben schwinde und Menschen sich schwer täten mit dauerhaften Bindungen. Entsprechend sinke die Chance, dass sich jemand zum geistlichen Leben entscheide. „Orden sind ja immer auch ein Abbild der Gesellschaft“, meint Schwester Fidelis.

Deshalb weiß sie auch, dass aller Verweltlichung zum Trotz die Menschen „ungeheure Sehnsucht nicht nach Glauben im christlichen Sinne, sondern nach Sinn und Spiritualität“ haben. Von dieser Sehnsucht erfahren die Schwestern aus den Gebetsanliegen, aber auch aus dem Kontakt zu Menschen. Um ihn mit der kontemplativen Lebensweise der Gemeinschaft zu vereinbaren, hat diese eine Schwester speziell mit dem „Außendienst“ beauftragt. Wichtig ist der Außenkontakt auch, um Spenden einzuwerben – denn die Klarissen leben nur von Almosen.

Inhaltlich hat die Äbtissin die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen vor allem für ihre Familie beziehungsweise um ein gelingendes Familienleben bitten. Außerdem sei der Frieden in der Welt ein Anliegen, für das viele Menschen die Klarissen um deren Gebet bitten. All diese Bitten, schildert die Äbtissin, würden in der Vesper in die Fürbitten eingebaut und vorgelesen – so werde man es auch mit den Fürbitten aus dem „Haus der Seelsorge“ halten.

„Beim fürbittenden Gebet treten wir für Menschen bei Gott ein, legen ihm unsere Anliegen ans Herz“, erklärt Schwester Fidelis. Grundsätzlich gehe es beim Beten darum, „still zu werden, um Gott zu hören, und ihm zuzutrauen, dass er alles zum Guten führt.“ Sie selbst betet neben den gemeinschaftlichen Gebeten zwischendurch: „Ich lebe mit Gott und versuche, den ganzen Tag mit ihm in Kontakt zu sein, mich immer wieder mit ihm zu verbinden.“ Dabei sei kein Anliegen zu banal: „Es gibt nichts am Menschen, das Gott nicht interessiert.“

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