Kurzinterview mit Bruder Marcus Porsche

Bruder Marcus Porsche

Bruder Marcus Porsche

Gemeinschaft: Brüdergemeinschaft der Canisianer
Alter: 39
In der Gemeinschaft seit: 10 Jahren

Br. Marcus stammt aus dem sächsischen Hoyerswerda im Bistum Görlitz. Nach seinem Eintritt bei den Canisianerbrüdern hat er eine Ausbildung zum Pastoralreferenten gemacht. Jetzt arbeitet er als Pastoralreferent in der Gemeinde St. Stephanus in Münster und lebt im Canisiushaus.

Was heißt für Sie: "ich weihe mein Leben Gott"?
Wie ein geweihter Altar ausschließlich für den Gottesdienst gedacht ist, so stelle ich mich auch in Gottes Dienst. Schauen wir aber den "Alltag" eines Altares mal an, dann wird da alles möglich kurz abgestellt. Aber wenn es drauf ankommt, ist er festlich geschmückt und bereit Gott zu empfangen.

Was ist ihre größte Freude am geweihten Leben?
Ich genieße die Möglichkeiten, die ich als Bruder habe, um mit Gott in Verbindung treten zu können und für andere Menschen da zu sein. Das könnte ich als Single oder Familienvater so nicht. Konkret ist das der Meditationsraum in unserem Canisiushaus oder das haltgebende Stundengebet, wenn auch manche Texte veraltet sind. Große Freude empfinde ich im gelingenden Miteinander nicht nur beim Gottesdienst, sondern auch im Alltag - trotz aller Unterschiedlichkeit.

Was macht Ihnen Mut?
Mir macht Mut, dass am Ende alles Gut ist. Und wenn es noch nicht gut ist, es noch nicht das Ende ist. Es entlastet mich, wenn ich mein Bestes gebe und Gott den Rest macht - oder umgedreht. Immer wieder wird mir bewusst, wie wunderbar Gott mit seinen Fügungen mein Leben unterstützt. Es stimmt wirklich: … glaubt und ihr werdet Wunder sehen.

Wovor haben Sie Angst?
Die Angst in meinem Kopf ist mir ein treuer Begleiter. Solange ich viel denke, wird sie da sein - leider oder zum Glück? Die Angst hat auch andere Seiten. Die meisten Menschen werden durch Angst motiviert, irgendetwas zu tun. Ich habe Angst, dass mein Leben misslingt, weil ich eine falsche Entscheidung treffe. In Krisen kann so was schnell passieren. Daher halte ich beides auseinander: Keine Entscheidung fällen in einer Krise.

Welches Wort der Bibel ist Ihnen besonders wichtig?
Verleugnet euch selbst und glaubt an das Evangelium. Die Selbstverleugnung, also zu erkennen, die Stimme in meinem Kopf und meine Gefühle, das bin nicht ich allein. Mein Selbst liegt tiefer, ist mir nur durch den Glauben zugänglich. So ist die Umkehr mein tägliches Geschäft.

Wen möchten Sie im Himmel auf jeden Fall treffen?

Alle meine Lieben, egal ob sie glauben oder nicht, egal ob sie gut waren oder schlecht. In dem einen Himmel des einen Schöpfers möchte ich mit allen gut zusammen SEIN - auch mit Dir! Das wird ein Fest!

Was würden Sie jungen Menschen von heute sagen?
Werde dir deiner selbst bewusst durch gute Beziehungen und glaube an Deine Stärken. Glaube an Gott und an Dich. Im guten Hören aufeinander kann man alles schaffen.

Warum ist es großartig, Christin/Christ zu sein?
Christen sind nicht besser, aber haben es besser. Ich schließe mich da Madeleine Delbrêl an. Mir würde DIE Beziehung fehlen, die für jeden Menschen wesentlich ist, die zu meinem Schöpfer. Ich fühle mich getröstet, dass da immer jemand da sein wird für mich, egal was mir zustößt. Nie bin ich allein, nie verloren. Immer ist Orientierung, Sinn und Hoffnung und in besonderen Stunden ganz viel Liebe da.

Welche Eigenschaften braucht man unbedingt als Ordensmann/Ordensfrau?
Eine lebendige Gottesbeziehung und damit verbunden Nächstenliebe ist für mich essentiell. Ich kann nicht Gott lieben und mein Nächsten hassen. Der feste Wille trotz allem an Gott und an meinen Nächsten "dranzubleiben" ist entscheidend, damit Ordensleben gelingen kann.

Was möchten Sie in der Kirche ändern?
Ich bin ein Freund der Urkirche, so wie ich sie auch manchmal in Taize erfahre. Je einfacher, meditativ schlichter und herzlicher sich das miteinander in Kirche gestaltet, umso mehr erahne ich das Reich Gottes. Umgedreht bewegt ein intellektuell verkopfter Gottesdienst mit allem katholischen Pomp mich immer weniger. Limburg und unser Papst Franziskus haben mich da einiges gelehrt. Ich will nicht in erster Linie "Kirche" - was auch immer jeder darunter versteht mag - verändern, sondern mich selbst.

März 2015

Kontakt

Ordensreferat und Ordensrat
im Bistum Münster

Domplatz 27
48143 Münster
Telefon: 0251-495-284
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