Wer die Gottesmutter zum Glänzen bringt: Porträt Schwester Thiatild Keuper

Wer nach Schwester Thiatild Keuper sucht, kann ihre Spuren vor allem bei Regenwetter finden. Denn dann liegen auf den Bänken im Garten des Franziskanerinnenklosters Lüdinghausen gelegentlich kleine Stofftücher. "Die lege ich dort aus, wenn es geregnet hat, damit die Besucher sich auf trockenen Bänken wohlfühlen können", erzählt die Ordensfrau schmunzelnd.

Dabei erschöpft sich ihr Einsatz bei weitem nicht in der Sorge um trockene Sitzgelegenheiten. Im Gegenteil: Während die meisten Gleichaltrigen ihren Ruhestand genießen, findet Schwester Thiatild mit 82 Jahren immer wieder neuen Antrieb. Sie gehört seit über 50 Jahren dem Orden der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe Lüdinghausen an. Mit 40 Mitschwestern lebt sie im Kloster in Lüdinghausen.

Schon in der Kindheit entwickelte sie den Wunsch, ihr Leben in den Dienst am Nächsten zu stellen – und in den Dienst an Gott. "Schon früh wusste ich: Das geweihte Leben ist mein Weg", sagt Schwester Thiatild.

Doch dieser Weg schien zunächst verbaut. Denn als Älteste von sechs Kindern musste sie sich, nachdem ihre Mutter verstorben war, um Vater und Geschwister kümmern. "Früher war das so üblich", erinnert sich die gebürtige Ostenfelderin. Außerdem mussten alle auf dem Hof helfen. Eine jüngere Schwester ging vor ihr zu den Missionsschwestern nach Hiltrup. "Doch das war nicht mein Weg, ich hatte mir in den Kopf gesetzt, nach Lüdinghausen zu gehen", erzählt Schwester Thiatild, "am 2. Februar 1962 bin ich eingetreten.". Drei Jahre später legte sie die ersten Gelübde ab, sodass sie 2015 goldenes Ordensjubiläum feiert.

Beim Eintritt ins Kloster war Schwester Thiatild 27 Jahre alt – für damalige Verhältnisse eine späte Entscheidung zum geweihten Leben. Sie erinnert sich, wie alles anfing. "Einkleidungen neuer Schwestern wurden groß gefeiert. Dazu kam ich gern ins Kloster", schildert sie. Zwei Freundinnen waren diesen Weg vor ihr gegangen. "Zu Schwester Christophora und Schwester Gertrud habe ich bis heute engen Kontakt", sagt Schwester Thiatild. Fünf Jahre ihrer Jugend verbrachte sie bei Verwandten in Beelen, die zum franziskanischen weltlichen dritten Orden gehörten. "Diese Zeit hat mich als junger Mensch sehr geprägt", erzählt die 82-Jährige.

Für sie selbst führte der Weg im Orden als erstes für ein Jahr nach Aachen. "Dort ließ ich mich bei den Aachener Franziskanern zur Altenpflegerin ausbilden. Dabei bin ich richtig aufgeblüht", erzählt die Schwester. Nach der Ausbildung machte sie ihr Anerkennungsjahr in Lüdinghausen. Schon im zweiten Jahr übernahm sie die Stationsleitung für die nächsten 14 Jahre. "Danach arbeitete ich auf der Schwesternkrankenstation in Mönchengladbach, bevor es zurück nach Lüdinghausen ging", erinnert sich Schwester Thiatild, "für mich war es das Beste, was mir hätte passieren können, ich fühle mich rundum wohl in Lüdinghausen."

Dabei gab es auch Rückschläge. "Mit 60 Jahren hatte ich das Gefühl, am Ende meiner Kräfte zu sein, es ging einfach nicht mehr", sagt die Ordensfrau. Sie hatte Glück: Das Nähzimmer im Altenheim, gegenüber vom Kloster, wurde frei. "Nähen war schon immer meine Leidenschaft", erklärt Schwester Thiatild. Seitdem näht und beschriftet sie die Kleidung der Heimbewohner – ehrenamtlich. Alle zwei Wochen betet sie mit den Bewohnern den Rosenkranz. Die wählten sie außerdem in den Heimbeirat. "Ich bin für alle da und freue mich jeden Tag, eine Vertrauensperson zu sein. Ich helfe, wo ich gebraucht werde", sagt Schwester Thiatild.

Diese Arbeit ist für sie eine Kraftquelle. "Diese Freiheit, machen zu können, was mir liegt und Spaß macht, setzt unglaubliche Kräfte in mir frei", sagt sie, "es ist ein Geschenk, dass ich das tun kann. Die Begegnung mit den Menschen ist für mich die Begegnung mit Gott." Dass sich diese Begegnungen gewandelt haben, weiß auch Schwester Thiatild. "Wir als Ordensgemeinschaft gehen sehr offen und lebendig mit Neuerungen um", erklärt sie. Seit ein paar Jahren hat das Kloster zum Beispiel eine weltliche Hausleiterin. "Sie gehört zur Familie. Das war eine der besten Entscheidungen, die wir hätten treffen können", findet die Ordensschwester.

Auch, dass die Kirche heute an Bedeutung verloren hat, weiß sie. "Man muss das verstehen", findet sie, "weil es heute schwieriger ist, an den Glauben heranzukommen. Die Menschen haben einen ganz anderen Blick auf die Kirche, aufgrund des anderen Umfeldes. Ich akzeptiere das und möchte niemanden belehren."

Statt zu belehren, geht sie lieber ihren Aufgaben nach. Die Provinzoberin Schwester Katharina Kluitmann sagt über Schwester Thiatild: "Es ist unglaublich, wo sie überall mitmischt und wie aktiv sie in ihrem Alter ist. Oft fährt sie mit dem Fahrrad samt Gartengeräten und Gießkanne zu der Lourdes-Grotte im Klostergarten und hält dort die Figur der Gottesmutter Maria sauber. Außerdem nimmt sie sich Zeit für die Kalligraphie." Wenn es nach Schwester Thiatild geht, soll das so bleiben: "Ich möchte meinen Aufgaben nachgehen, so lange ich es kann."

  • Das von Papst Franziskus ausgerufene ‚Jahr des geweihten Lebens‘ – in Deutschland auch ‚Jahr der Orden‘ – wurde am ersten Advent 2014 eröffnet. Es geht bis zum 2. Februar 2016. Denn am 2. Februar wird jedes Jahr der Welttag des geweihten Lebens gefeiert.

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