Bischof Bahlmann aus Brasilien war Gast beim Ordenstag in Münster

Mehr als 200 Ordensleute waren zum Ordenstag nach Münster gekommen.

Er war unterwegs zur Amazonas-Synode. Doch auf dem Weg nach Rom hat Bischof Johannes Bahlmann aus Óbidos am 5. Oktober einen kurzen Zwischenstopp in Münster gemacht. Bahlmann, der gebürtig aus Visbek im niedersächsischen Teil des Bistums Münster stammt und seit fast 40 Jahren in Brasilien lebt, war zu Gast beim Ordenstag in Münster. Dieser stand unter dem Leitwort „Getauft und gesandt – Die Kirche Christi missionarisch in der Welt“. Dazu hatte der Besuch aus Brasilien gleich einiges zu sagen. Bahlmann, selbst Mitglied der Ordensgemeinschaft der Franziskaner, berichtete über die aktuelle Situation in seinem Bistum und die Erwartungen an die am 6. Oktober beginnende Synode.

Das Bistum Óbidos ist halb so groß wie Deutschland. In der dünn besiedelten Region gebe es rund 30 hauptamtliche Priester, beschrieb Bahlmann die personellen Herausforderungen vor Ort. Viele Gemeinden würden deshalb von ehrenamtlichen Laien geleitet. Um dem Sendungsauftrag gerecht zu werden, seien im Amazonasgebiet neue Wege und Formen für das christliche Leben notwendig, erklärte Bahlmann. Genau darüber soll bei der Amazonas-Synode gesprochen werden: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir gemeinsam die Kirche erneuern und die Glaubensweitergabe garantieren können.“ Im Hinblick auf das Amazonasgebiet solle den Traditionen der indigenen Völker dabei ebenso Aufmerksamkeit geschenkt werden wie der künftigen Seelsorge in dem riesigen und schwer zugänglichen Areal, erhofft sich der Bischof aus Óbidos Lösungsansätze.

In Münster stellte Bahlmann den mehr als 200 Ordensleuten seinen Arbeitsalltag am Amazonas vor. Der Bischof und sein Team müssen weite Wege hinter sich bringen, wenn sie eine Gemeinde besuchen wollen. Mangels staatlicher Unterstützung setzt sich Bahlmann außerdem seit vielen Jahren für eine bessere medizinische Versorgung der Menschen in seiner Diözese ein. Mediale Aufmerksamkeit hat es im zurückliegenden August für das nach Papst Franziskus benannte Krankenhausschiff am Amazonas gegeben, das auf Initiative des Bischofs von den Franziskanern betrieben wird: „Das Schiff bringt Hilfe und Hoffnung zu den Menschen“, sagte der Bischof. Papst Franziskus lobte in einem Schreiben die Idee: Das Schiff sei „Antwort auf den Auftrag Jesu, das Reich Gottes zu verkündigen und die Kranken zu heilen“.

Das Krankenhausschiff ist mit den wichtigsten medizinischen Fachabteilungen, Ärzten und Pflegekräften ausgestattet. Sie sollen die gesundheitliche Versorgung für rund 700.000 Menschen sichern, die auf einer Strecke von 1.000 Kilometern in Dörfern am Amazonas leben und keine Möglichkeit haben, einen Arzt in der Stadt aufzusuchen. Unter den Ärzten ist auch die Franziskanerin Ruth Rottbeck aus Rhede, die Ende 2018 ihre Stelle als Oberärztin für Gerontopsychatrie in Stuttgart aufgegeben hatte, um sich der neuen Aufgabe an Bord des Hospital-Schiffes zu stellen.

Den Blick wieder nach Rom gerichtet: In der Zuversicht auf eine erfolgreiche Synode zitierte Bischof Bahlmann den griechischen Philosophen Aristoteles: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Nach dem Vortrag von Bischof Bahlmann hatten die teilnehmenden Ordensleute am Nachmittag Gelegenheit, sich in Workshops auszutauschen und verschiedene Themen zu vertiefen. Auch Gäste aus Nordost-Indien, die zur bundesweiten Eröffnung des Monats der Weltmission, der jedes Jahr vom katholischen Hilfswerk „Missio“ organisiert wird, nach Münster gekommen waren, nahmen daran teil. Der emeritierte Erzbischof Thomas Menamparampil hatte sich zu Beginn des Ordenstages für die Unterstützung aus Deutschland bedankt: „Uns verbindet der Ruf, die Botschaft der Freude, des Friedens und der Freundschaft in die Welt zu bringen.“

Zum Abschluss feierte Münsters Bischof Dr. Felix Genn mit den Teilnehmenden einen Gottesdienst in der Kapelle des Mutterhauses der Franziskanerinnen, bei dem die Bischöfe John Thomas Kattrukudiyil und Victor Lyngdoh konzelebrierten. Genn nahm das Thema des Ordenstages, „Getauft und gesandt“, in seiner Predigt auf: „Die Mission ist ein Grundelement christlichen Glaubens, weiß doch Jesus sich als Sohn vom Vater gesandt, in die Welt zu gehen, um sie von allem Bösen zu befreien“, sagte der Bischof 

Er lobte die Weite der Weltkirche, die bei einem solchen Ordenstag einmal mehr deutlich werde. Der Bischof betonte, dass die Warnungen der deutschen Bischöfe vor einem nationalen Alleingang im Zusammenhang mit der vielzitierten Erneuerung der Kirche in Sorge um genau diese Weite ihren Grund hätten.

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