„Schwester Petra bleibt in Oelde lebendig“

Sr. Petra: Die Oelderin Petra Mönnigmann gründete 1969 den Orden der „Dienerinnen der Armen“ in Indien. (Foto: Hilfswerk Schwester Petra)

Der seltene orangefarbene Habit von Schwester Therese sticht sofort ins Auge. „Wir können nicht verloren gehen“, sagt die Ordensfrau mit einem Lachen. Mit „wir“ meint sie sich und ihre insgesamt 26 indischen Mitschwestern in Deutschland, die zu den „Dienerinnen der Armen“ gehören. Mit vier von ihnen wohnt sie im Bernardushaus am Carl-Haver-Platz in Oelde. Dort sind nicht nur die Schwestern bekannt, auch der Name „Schwester Petra“ ist vielen Oeldern ein fester Begriff. Vor 50 Jahren gründete die 1924 in Oelde geborene Petra Mönnigmann in Indien den Orden der „Dienerinnen der Armen“. Ein Jubiläum, das am Sonntag, 12. Mai, als deutsch-indisches Fest der Begegnung gefeiert wird.

Mit acht jungen Frauen begann Schwester Petra 1969 in Pattuvam, im Bundesstaat Kerala, ihre Berufung zu leben und für die Ärmsten der Armen da zu sein. „Am Anfang zog sie von Haus zu Haus und versorgte vor allem Lepra-Kranke“, berichtet Schwester Therese. Immer mehr Frauen schlossen sich ihr an, die Hilfe zur Selbsthilfe konnte ausgebaut werden. „Heute sind wir rund 650 Schwestern in mehr als 90 Stationen. Wir kümmern uns um Kranke und Behinderte, um Alte, Waisen und HIV-Infizierte“, erklärt die Ordensfrau, die seit 22 Jahren in Deutschland lebt. Denn 1997 entschloss sich der Orden, einige Schwestern nach Oelde zu schicken, „um das Andenken an unsere Gründerin wach zu halten“, sagt Schwester Therese. Neben Oelde sind Schwestern in Freckenhorst, Haltern am See, Dorsten, Werl, Attendorn und Fulda in Krankenhäusern, Altenheimen und Pfarrgemeinden tätig.

Schwester Petra hat die Entwicklung der „Dienerinnen der Armen“ nicht mehr erlebt. Bei einem Verkehrsunfall in Indien kam sie an Pfingsten 1976 ums Leben. Doch die Ordensgründerin hat Spuren hinterlassen: „Sie hatte eine wunderbare Art zu erzählen und hat uns in ihren Bann gezogen“, blickt ihre Großnichte Hildegard Micheel-Meier zurück. Alle zwei Jahre sei „Tante Petra“ nach Deutschland gekommen, um Spenden zu sammeln. „Manchmal hatte sie die Taschen voller Kleingeld und wir Kinder durften es am Küchentisch zählen“, erinnert sich Micheel-Meier. „Sie war eine Persönlichkeit, die den Raum füllte.“

Diese Erinnerungen und die indischen Menschen in Not sind seit acht Jahren Motivation für Hildegard Micheel-Meier, sich im „Hilfswerk Schwester Petra“ zu engagieren. Der von Freunden, Nachbarn und Verwandten gegründete Verein unterstützt den Orden der „Dienerinnen der Armen“ seit 1974. „Wir sind das Bindeglied zwischen den deutschen Spendern und dem indischen Orden“, erklärt Micheel-Meier. „Die Schwestern haben nicht nur keine Zeit, Spenden zu generieren, sondern es liegt auch nicht in ihrem Naturell. Sie möchten durch ihre Arbeit und ihre Persönlichkeiten überzeugen und wir versuchen, hier das Bewusstsein der Spender zu wecken.“ Im September 2009 wurde zudem die „Schwester-Petra-Stiftung“ ins Leben gerufen und im vergangenen Jahr ein Förderkreis. Beides soll den Orden und das Hilfswerk auf lange Sicht hin erhalten.

Die Unterstützung durch das Hilfswerk ist vor Ort in Indien bereits an vielen Stellen sichtbar. Sozialstationen, Waisen-, Alten-, Behinderten- und Aidsheime sowie Erste-Hilfe- und Entbindungsstationen und Kindergärten wurden gebaut. „Wir konnten außerdem einen Schulbus mit 54 Plätzen finanzieren, der gehörlose Kinder zur Don-Bosco-Gehörlosenschule nach Karakunde bringt“, erzählt Hildegard Micheel-Meier. Ohne den Bus könnten sie nicht zur Schule gehen. Gleiches trifft auch auf 50 Mädchen im Norden Indiens zu. „Dort haben wir vor kurzem ein Hostel errichtet, in dem die Mädchen, die aus dem Dschungel kommen und 50 Kilometer barfuß durch den Busch zur Schule wandern müssen – praktisch also keine Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen – wohnen können“, schildert Micheel-Meier.

Gemeinsam mit den Dienerinnen der Armen in Oelde machen die Mitglieder des Hilfswerks die Arbeit des Ordens in Deutschland bekannt. „In den Oelder Schulen ist Schwester Petra und ihr Wirken im Lehrplan vorgesehen, also kommen wir in die Klassen und erzählen davon“, sagt Hildegard Micheel-Meier. Zu den Schwestern ins Bernardushaus kommen regelmäßig Firmlinge, die etwas über das Leben der Dienerinnen der Armen erfahren möchten. Und auch die Schwestern selbst haben im Alltag Kontakt zu Menschen, denen sie von Schwester Petra erzählen – Schwester Therese als Küsterin in St. Johannes und St. Josef, drei weitere als Krankenschwestern im Marienhospital und eine Schwester im Altenheim. „So bleibt sie hier in Oelde weiterhin lebendig“, freut sich Schwester Therese.

Das Fest der Begegnung beginnt am Sonntag, 12. Mai, um 11 Uhr mit einem festlichen Gottesdienst in der St.-Johannes-Kirche in Oelde. Münsters Bischof Dr. Felix Genn und der indische Bischof von Kannur, Dr. Alex Vadakumthala, werden die Messe feiern. Auch die im Herbst 2018 gewählte neue Generaloberin Schwester Emestina wird am Fest teilnehmen. An den Gottesdienst schließt sich um 12.45 Uhr ein Empfang im Paulusheim mit Imbiss ein. Um 14 Uhr startet ein Musikprogramm und der MitmachZirkus „San Pedro Piccolino“, um 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen.

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