Zum Monat der Weltmission berichtet Schwester Rita Schiffer

Ärztin und Ordensfrau Schwester Rita Schiffer engagiert sich seit 21 Jahren im Attat-Landkrankenhaus in Äthiopien. Sie ist zum Monat der Weltmission zu Gast in ihrem Heimatbistum. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

„Tagtäglich erlebe ich bei meiner Arbeit Gottes Fügung. Es passieren 1000 kleine Dinge“, sagt Schwester Rita Schiffer. Seit 21 Jahren ist die Ordensfrau und Gynäkologin im Attat-Landkrankenhaus in Äthiopien aktiv. Das Haus, das vor fast 50 Jahren gegründet wurde, beschäftigt 206 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zum Monat der Weltmission ist Schwester Rita vom 21. bis 29. September zu Gast in ihrem Heimatbistum Münster. Sie berichtet in Dülmen, Münster, Rheine, Warendorf sowie in Sonsbeck über ihre Arbeit.

Alle drei Jahre hat Schwester Rita drei Monate Heimaturlaub. Diese Zeit nutzt die 61-Jährige, um über ihre Arbeit und den Fortschritt im Attat-Landkrankenhaus in Äthiopien zu informieren. „Ich bin froh, dass es viele Menschen gibt, die uns unterstützen wie beispielsweise die Gruppen in Kevelaer, in Bocholt oder auch in Dülmen“, freut sie sich und fügt hinzu: „Es macht mich immer glücklich, Menschen zu treffen, denen bewusst ist, dass sie an einem privilegierten Ort leben und mit den Menschen teilen, denen dies nicht vergönnt ist.“ Mit den Spenden werden beispielsweise Ausbildungen finanziert. Und so ist dieser Heimaturlaub auch etwas Besonderes: „Ich werde erstmals von äthiopischen Ärzten vertreten. Das ist sozusagen eine Testphase“, sagt Schwester Rita. Ihr Ziel ist es, in drei bis sieben Jahren das Krankenhaus komplett in äthiopische Hände geben zu können „Wir ernten jetzt die ersten Früchte unserer 50-jährigen Arbeit“, ist sie ebenso glücklich wie stolz.

Geboren in Sonsbeck wuchs Rita Schiffer gemeinsam mit sechs Geschwistern am Niederrhein auf. „Mein Interesse an der Mission wurde erstmals geweckt, als ich in der siebten Klasse einen Film über Missionare in Indien gesehen habe“, erinnert sie sich genau. Das habe sie berührt und zum Staunen gebracht. „Dieser Film war sicherlich ein kleines Mosaiksteinchen für das, was ich nun seit vielen Jahren mache“, erzählt sie weiter. Anfangs habe sie allerdings diesen Weg nicht verfolgt, sondern ein Medizinstudium in Essen begonnen. „Doch der Missions-Gedanke ließ mich ebenso wenig los wie der Gedanke, in einen Orden einzutreten“, berichtet sie. Nach ihrem Physikum informierte sie sich bei verschiedenen Ordensgemeinschaften. „Aber so richtig fündig, wurde ich nicht. Eher durch einen Zufall bin ich in letzter Minute auf die Missionsärztlichen Schwestern aufmerksam geworden. In meinem Studienort Essen gab es eine Kommunität. Das war eine schöne Fügung“, sagt die Ordensfrau und lacht. Sie hatte an zahlreichen Orten nach dem Richtigen gesucht und es schlussendlich vor der eigenen Haustür gefunden.

Ihre Motivation, sich zu engagieren, bringt Schwester Rita auf den Punkt: „Ich möchte mich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, denn die Welt ist so ungerecht.“ Ihr erster Einsatz in Ghana als junge Ärztin bestätigte ihre Entscheidung. „Ich hatte die ewige Profess noch nicht abgelegt. Aber eines nachts wurde mir klar, dass ich so mein Leben verbringen möchte.“

Nach ihrer Rückkehr begleitete sie in Essen sieben Jahre junge Mitschwestern und bildete sich in der Pastoral weiter. Doch dann stellte sie sich die Frage, ob sie weiter im seelsorglichen Bereich tätig sein oder zurück in die Medizin wollte. „Ich habe in Duisburg-Hamborn am Johanneskrankenhaus meine Facharztausbildung zur Gynäkologin absolviert. Mit 40 Jahren war ich dann fertig“, berichtet sie.

Sie ging nach Äthiopien ins Attat-Landkrankenhaus, das von einer indischen Schwester geleitet wurde, die eine Nachfolgerin suchte. „Das war ein Kulturschock. Ich kam von einer hochtechnologisierten Medizin in ein Krankenhaus, in dem ich mich auf meine Sinne, meine Hände, meine Augen und meine Nase verlassen musste“, erinnert sie sich an die Anfangszeit. Ein Jahr begleitete sie ihre Mitschwester. „Und dann ging es irgendwie. Das Vertrauen der Menschen tut sehr gut. Außerdem habe ich mir gesagt, dass ich mein Bestes gebe. Der Rest liegt bei Gott“, erzählt sie.

Viel habe sich in den vergangenen 21 Jahren verändert. Menschen konnten ausgebildet, Chirurgen eingestellt und Ambulanzräume ausgebaut werden. „Das Land und die Medizin entwickeln sich weiter“, sagt Schwester Rita und denkt trotzdem gern an die sehr einfache Zeit als eine besondere Zeit zurück. Sieben Missionsschwestern aus Deutschland, Äthiopien, Indien und Amerika leben und arbeiten in dem Landkrankenhaus. „Die Internationalität und die unterschiedlichen Professionen sind gut für das Projekt und seine ganzheitliche Entwicklung. Dazu gehören neben der medizinischen Versorgung auch die Frauenarbeit und beispielsweise die Trauerbegleitung“, informiert sie. Ohne ein geistliches Rückgrat und Zuhause, sei das Leben, das sie gemeinsam mit ihren Mitschwestern führe, nicht durchzuhalten. „Aber wir wissen uns von Gott geführt.“

Weitere Informationen über das Attat-Landkrankenhaus finden sich unter www.attat-hospital.de und zum Monat der Weltmission unter www.missio-hilft.de.

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