Mit beiden Beinen auf der Erde und zugleich zum Himmel ausgestreckt: Porträt Bruder Bernd Beermann

Bruder Bernd Beermann

"Ich wäre in keine Ordensgemeinschaft eingetreten, wo ich den Eindruck hätte, die blasen nur Trübsal!" Kapuzinerbruder Bernd Beermann (rechts) ist auch für die Begleitung von ‚Junioren' wie Bruder Alexander Klassen zuständig: "Da gibt's oft Grund zur Freude".

Einen promovierten Chemiker und Biologen, der zugleich Bruder in einer katholischen Männergemeinschaft ist: So etwas gibt es nicht oft. Auf den aus Werne im Kreis Unna stammenden Kapuzinerbruder Bernd Beermann (46) trifft all dies zu. Heute ist er am Kapuzinerkloster Münster der finanziell Verantwortliche, der zudem junge Männer auf dem Weg in die Gemeinschaft begleitet - nach einem besonderen Werdegang.

"Wie glaubt ein Naturwissenschaftler an Gott? Das geht doch gar nicht!" - So werde er oft angefragt. Für ihn sei aber klar, dass immer letzte Fragen offen blieben, die der Naturwissenschaftler nicht beantworten könne: "Dann antworte ich aus dem Glauben heraus, so habe ich Frieden geschlossen zwischen beiden Welten".

Aufgewachsen ist Bruder Bernd in Werne-Stockum als Einzelkind in einer gut katholischen Familie. "Eine religiöse Ader hatte ich eigentlich schon immer", schildert der heutige Ordensmann und erzählt, dass er in der Gemeinde St. Sophia erst Messdiener, später auch Leiter war. Begonnen hatte sein Weg ins Kloster zur Schulzeit. Kurz vor dem Abitur lernte er junge Männer kennen, die als Novizen bei den Kapuzinern in Werne waren, sich also auf ihren Eintritt in den Orden vorbereiteten. "Die waren ja ganz normal - wie wir auch", hatte er damals festgestellt. Da sei bald die Frage aufgekommen: "Ist das vielleicht auch was für mich?"  Die Eltern hätten es schon lieber gesehen, wenn ihr einziges Kind sich für einen anderen Weg entschieden hätte, "aber sie haben mir nie Knüppel zwischen die Beine gelegt", stellt Bruder Bernd klar. Auch Freunde und Bekannte in Werne hätten eher erstaunt oder verwundert reagiert.

Eine wichtige Station auf dem Weg zur Entscheidung sei eine Fahrt nach Assisi gewesen, wo er auf den Spuren des heiligen Franziskus in dessen Einsiedeleien besondere Erfahrungen von Stille und Gebet gemacht habe. Irgendwann beim Aufenthalt an solchen Orten oder bei Begegnungen mit Mitbrüdern, als er sich mit dem Gründer und den Ordensidealen auseinandergesetzt habe, sei der Funke übergesprungen: "Franziskanisch leben heißt für mich, das Evangelium im Alltag zu leben und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen". Die zugrunde liegende Haltung, das "Minder-Sein", habe für ihn besondere Bedeutung.

Das Kloster mit seiner Spiritualität sei für ihn der Ort, wo er die Kraft sammle für das Engagement in der Welt. "Mich spricht besonders an, dass wir Kapuziner - bildlich gesprochen - mit beiden Beinen auf der Erde stehen und zugleich zum Himmel ausgestreckt sind". Zudem schätze er die Offenheit in der Gemeinschaft, "jeden als Bruder anzunehmen". Wo auch immer er gerade gewesen sei, in Indien, in Kenia oder in Peru: "Da fühlte ich mich zu Hause, man gehört unmittelbar dazu". Äußerlich spreche ihn die Farbe der Ordenstracht, des Habit, besonders an: Das erdfarbige stehe auch für das Verwachsen-Sein mit dem Leben.

Auf dem Weg ins Ordensleben hatte Bruder Bernd ein Theologiestudium begonnen, aber schon bald gespürt, "dass das nicht mein Ding ist ich lieber Chemie studieren würde". Kein Problem, signalisierte die Ordensleitung, er könne auch auf Lehramt gehen, der Orden hatte damals noch eine Schule: "So kam ich an zwei Diplome in Chemie und in Biologie".  Da die Ordensschule zwischenzeitig geschlossen worden war, promovierte Bruder Bernd direkt anschließend in physikalischer Chemie und arbeitete drei Jahre an der Uni in Forschung und Lehre. Anschließend ging er für drei Jahre zu einer internationalen franziskanischen Nichtregierungsorganisation nach Genf und machte bei den Vereinten Nationen Lobbyarbeit für Umweltschutz und Menschenrechte. Es folgten weitere drei Jahre an der Generalkurie des Kapuzinerordens in Rom, wo er im Büro für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung mitarbeitete.

Im Jahr 2012 kehrte er auf Wunsch der Provinz nach Münster zurück und wurde Ökonom im hiesigen Kapuzinerkloster. Ein Jahr später übernahm er auch die stellvertretende Hausleitung, wurde in die Provinzleitung gewählt und als Junioratsleiter zuständig für die Begleitung der jungen Brüder zwischen Noviziat und ‚ewiger Profess', dem endgültigen Eintritt. Zuviel wird ihm all das nicht, lebt er doch nach der Devise: "Mach soviel Du kannst, den Rest muss Gott dazu tun - und das tat er auch bis dato immer".

Er sehe etliche junge Leute, die bereit seien, sich für eine gute Sache zu engagieren, viele aber nicht mehr im kirchlichen Milieu. Deshalb sei es angezeigt, als Gemeinschaft hinaus zu gehen, Gesellschaft mitzugestalten, sich für Migranten zu engagieren, wie Papst Franziskus es fordere, an die Ränder zu gehen. "Da haben wir als Ordensleute eine Chance", ist Bruder Bernd sicher, "weil wir von vielen Menschen anders wahrgenommen werden als die Amtskirche".

  • Das von Papst Franziskus ausgerufene ,Jahr des geweihten Lebens' - in Deutschland auch ,Jahr der Orden' - läuft seit Advent 2014 bis zum 2. Februar 2016. Am 2. Februar wird in jedem Jahr der Welttag des geweihten Lebens gefeiert.

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